DVD & Blu-ray, Film

The Big M Theory 001: Was macht einen guten Film aus?

In meinem Blog werde ich immer wieder auf Filme eingehen, die mir gefallen. Dazu möchte ich aber erst einmal die grundsätzliche Frage erörtern, was eigentlich einen guten Film ausmacht.

Ohne Frage ein Thema, über das wir vortrefflich streiten können. Zumindest könnten wir das, wenn ich nicht schon die ultimative Antwort darauf parat hätte: Ein guter Film ist der, der dem Zuschauer gefällt! Klingt vielleicht komisch, ist aber so!

Mancher Cineast und Kritiker mag jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und mit einem „Das kannst du doch nicht so pauschalisieren!“ kontern wollen. Ihnen sage ich direkt: Doch, es ist so simpel! Klar, es lassen sich an Filme „objektive“ Maßstäbe anlegen wie etwa die handwerklichen Aspekte eines Filmes (Ton, Bild, Schnitt, schauspielerische Leistungen etc.) oder man zieht Story und Thematik für eine Bewertung heran. Ich bestreite auch nicht, dass ein Film wie Schindler’s Liste rein thematisch deutlich wertvoller ist als zum Beispiel E.T.

Aber ist Schindler’s Liste deswegen automatisch ein besserer Film als E.T. ? Viele Filmexperten würden diese Frage eindeutig bejahen, ich dagegen beantworte sie mit einem klaren Nein! Dabei geht es mir übrigens gar nicht um den direkten Vergleich dieser speziellen Filme von Steven Spielberg. Vielmehr will ich mit diesem Beispiel verdeutlichen, dass eine vorschnelle Wertung eines Filmes, die auf rein inhaltlichen Aspekten beruht, abzulehnen ist. Film ist und war nie eine Kunst für eine kleine Gruppe Intellektueller – eine zu verkopfte Bewertung des Mediums ist daher fehl am Platze.

Nachdem ich der eher in Europa verbreiteten Sichtweise zur Kunstform Film ordentlich eine gelangt habe, sollten sich jetzt aber auch die Amerikaner auf den Einschlag vorbereiten: In den dortigen Massenmedien und auch in Hollywood selbst wird die Wertigkeit eines Filmes nur zu gerne an dessen Erfolg an den Kinokassen festgemacht. Auch diese eindimensionale Sichtweise ist meines Erachtens nach Banane. Titanic war zum Beispiel ein großer finanzieller Erfolg, zählt aber nicht zu Camerons besten Werken.

Manch ein Leser reibt sich jetzt eventuell verwundert die Augen und denkt: Handwerkliche Aspekte alleine zählen für ihn nix und den wirtschaftlichen Erfolg lässt er auch nicht gelten, was hält Big M denn dann für die richtigen Bewertungskriterien für einen guten Film?

Die Wahrheit liegt für mich dazwischen. Sowohl solide handwerkliche Arbeit, als auch Einfallsreichtum oder eine interessante Story machen für mich ebenso einen guten Film aus wie der Erfold beim Publikum. Ich mag persönlich überraschende und abgedrehte Filme wie zum Beispiel Science of Sleep oder auch Die fabelhafte Welt der Amélie. Die sind nun aber nicht jedermanns Sache, so wie Blockbuster der Kategorie Transformers sicher auch nicht jedem Zuschauer gefallen werden. Manch ein Cineast wendet sich aber fälschlicherweise von bestimmten Filmen schon ab, nur weil sie mainstreamig wirken.

Amélie ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein schräger, eigentlich nicht wirklich massentauglicher Film zum Erfolg werden kann. Das liegt bei Amélie sicher auch daran, dass es dem Film in einzigartiger Weise gelang, Musik, Bilder und Geschichte perfekt miteinander zu verweben. Mundpropaganda trug dann zum Erfolg des Filmes bei, der zum Beispiel Science of Sleep verwehrt blieb. Juwelen sind sie für mich beide.

Wer weiß denn heute schon, was in 50 oder 60 Jahren als Klassiker des Films gelten wird? Filme wie Amélie oder vielleicht doch Stirb langsam? Transformers oder Moonrise Kingdom? Shakespeare schrieb zu seiner Zeit auch für die Massen und nicht für Englischprofessoren – und heute gilt er als Klassiker der Weltliteratur. Ich würde mir wünschen, dass sich die verschiedenen Ausprägungen der Filmliebhaber nicht wie Sektierer gegenüberstehen und die Meinung der anderen Gruppen nicht anerkennen. Jeder sieht Filme anders, genau wie die Bildenden Künste auf jeden anders wirken.

Schön finde ich, wenn mich ein Film zum Nachdenken bringt, mich optisch zu beeindrucken weiß oder mich überrascht. Ein herausragender Film erfüllt mehrere dieser Aspekte, ein Meisterwerk vereinigt sie alle. Einen Film finde ich allerdings bereits gut, wenn er es schafft, mich knappe 90 Minuten gut zu unterhalten – leider geht dieses Attribut vielen künstlerischen Filmen (wie zum Beispiel denen eines Wim Wenders) oft ab. Manchmal möchte ich den „Filmkünstlern“ zurufen: „Auch Leute zu unterhalten ist eine Kunst! Wenn viele Zuschauer einen Film mögen, heißt das nicht, er ist schlecht!“

Wenn man die Qualität eines Filmes an seinem Inhalt oder seiner „aufklärerischen“ Absicht festmacht, lassen sich oft auch unter der vermeintlichen Stangen- oder Low-Budget-Ware erstaunliche Juwelen finden. Mancher B-Movie mit trashigen Weltuntergangsszenarien und/oder Zombies überrascht mit glaubhaften Charakteren und nachvollziehbarem Verhalten in Extremsituationen. Selbst Bollywood-Filme haben oft erstaunlich viel Tiefgang. Qualität ist genreunabhängig. Leider hatte ich eine Phase, in der ich bestimmte Genres ausgeblendet und nicht beachtet habe. Wirkliche Cineasten sollten aber keine Genre-Scheuklappen tragen!

Auch den Filmschaffenden selbst möchte ich etwas ins Poesiealbum schreiben: Von den Kunstfilmern wünsche ich mir etwas mehr Hollywood und von Hollywood etwas mehr Kunst! Wenn beide sich nur ein kleines Stück aufeinander zu bewegen, gibt es bald nur noch „gute“ Filme!

Fazit: Es gibt für mich nicht das Rezept für „den“ guten Film! Manchmal überraschen mich Filme, die kaum einer kennt, ein ander Mal ist es ein Blockbuster, der mich wirklich exzellent unterhält. Euch rate ich deswegen: Lasst euch euren Geschmack nicht diktieren, bleibt offen für Neues! Dann entgehen euch selbst die kleinen Film-Juwelen wie Die Fee nicht!

Advertisements
Standard

Ein Gedanke zu “The Big M Theory 001: Was macht einen guten Film aus?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s